Berufsunfähigkeit tritt ein, wenn Arbeitnehmer und Angestellte, aber auch Freiberufler und Selbständige ihren zuletzt ausgeübten Beruf wegen Krankheit, Unfall oder BerufsunfähigkeitsversicherungInvalidität nicht mehr oder nur noch im begrenzten Umfang ausüben können. Zur Absicherung des finanziellen Risikos, dass mit der Berufsunfähigkeit einhergeht, kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Im Versicherungsfall zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung bis zum Eintritt in das gesetzliche Rentenalter eine monatliche Leibrente, um die finanziellen Verluste auszugleichen, die durch die Berufsunfähigkeit entstehen.

Was ist Berufsunfähigkeit?

Wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls oder Invalidität nicht mehr ausüben kann, gilt als berufsunfähig. Berufsunfähigkeit ist jedoch von der Erwerbsunfähigkeit zu unterscheiden. Denn eine Person kann auch dann als berufsunfähig gelten, wenn sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann – ungeachtet dessen, ob sie in der Lage ist, einer anderen Tätigkeit nachzugehen, bei der sie eventuell deutliche Gehaltseinbußen gegenüber dem erlernten Beruf oder ein geringeres soziale Prestige hinnehmen muss. Erst wenn überhaupt keiner Erwerbsarbeit mehr nachgegangen werden kann, spricht man von Erwerbsunfähigkeit. Die Definitionen der Berufsunfähigkeit, die Versicherungsgesellschaften zugrunde gelegt werden, beziehen sich auf den zuletzt ausgeübten Beruf.

Hier die Definition der Berufsunfähigkeit im Gesetz §172 VVG:

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

Der zuletzt ausgebüte Beruf ist unabhängig von der Ausbildung grundsätzlich jener Beruf, der zuletzt mit dem Ziel der dauerhaften Erwerbsarbeit ausgeübt wurde. Regelmäßig ist es die letzte versicherungspflichtige Beschäftigung. In Einzelfällen kann es jedoch zu anderen Festlegungen kommen. Übernimmt beispielsweise ein Angestellter aufgrund der Arbeitsmarktlage einen geringer qualifizierten Job, so muss die dort ausgeübte Tätigkeit nicht zwingend als Beruf im Sinne der Berufsunfähigkeitsversicherung gelten. Aber auch wenn der Hauptberuf klar bestimmt und die Tätigkeit nicht mehr oder nur teilweise ausgeübt werden kann, tritt nicht automatisch eine Berufsunfähigkeit auf. Sofern der Versicherte auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden kann, die sozial zumutbar ist und gesundheitlich als auch fachlich vom Versicherten bewältigt werden kann, kann er unter Umständen nicht als berufsunfähig gelten. Wann eine solche „Verweisung“ auf eine andere Tätigkeit zulässig ist, beschäftigt regelmäßig die deutschen Gerichte. Orientierung geben dabei die Grundsätze, die das Bundessozialgericht aufgestellt hat: Hiernach richten sich die Zumutbarkeit an der für die jeweilige Tätigkeit notwendigen Qualifikationen. So sollen Tätigkeiten als zumutbar gelten, die die gleiche Qualifikationsstufe oder die nächst niedrigere Qualifikationsstufe voraussetzen.

Hauptursachen für die Berufsunfähigkeit stellen Herzerkrankungen und Erkrankungen des Gefäßsystems dar. Erkrankungen und dauerhafte Schädigungen des Bewegungsapparates, Krebs, Nervenleiden und Unfälle sind weitere Gründe, die zur Berufsunfähigkeit führen können. In neusten Studien wurde mehrfach gezeigt, dass zunehmend auch psychische Leiden und Depressionen zu Berufsunfähigkeit führen, während der Umfang der durch Unfälle verursachten Berufsunfähigkeit zurückgeht (lesen Sie hier mehr über die aktuellen BU-Aktionen, wo man mit wenig Gesundheitsfragen eine Absicherung bekommen kann: aktuelle BU Aktionen). Unter Dachdeckern ist die Berufsunfähigkeit am stärksten verbreitet. Es folgen die Berufe Krankenpfleger, Schlachter. Auch Tiefbauer und Maurer sind vergleichsweise häufig von Berufsunfähigkeit betroffen. Da Berufsunfähigkeit nicht nur durch die körperliche Belastung bedingt ist, sondern in jüngster Zeit auch verstärkt psychische Faktoren eine große Rolle spielen, ist auch der Beruf des Sozialarbeiters unter den zehn Berufen mit der höchsten Berufsunfähigkeitsquote zu finden. Je nach Krankheitsbild und Krankheitsverlauf ist es, das Maß der Berufsunfähigkeit prozentual zu staffeln. Hierbei wird der Grad gemessen, zum der Hauptberuf ausgeübt werden kann. In der Regel leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung bereits Zahlungen an den Versicherten, wenn eine 50-prozentige Berufsunfähigkeit vorliegt. Letztendlich wird der Grad der Berufsunfähigkeit durch ein medizinisches Gutachten festgestellt.

Weitere Gründe die zur Berufsunfähigkeit führen und warum eine Berufsunfähigkeitsrente abgelehnt werden kann, können Sie hier nachlesen:

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung wurde 2001 im Zuge der Agenda 2010 abgeschafft. Hintergrund dieser Maßnahme war die Tatsache, dass durch die Berufsunfähigkeit keine existenzielle Notlage eintritt, da der Betroffene in der Regel eine andere Arbeit ausführen kann. Aus Gründen des Vertrauensschutzes blieb die Berufsunfähigkeitsversicherung allein für gesetzlich Versicherte erhalten, die vor dem 2. Januar 1961 geboren und nach dem 31. Dezember 2000 berufsunfähig wurden. Ebenfalls blieb der Anspruch bestehen, wenn vor dem 31. Dezember 2000 eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wurde. In allen anderen Fällen kann seitdem nur bei Erwerbsunfähigkeit ein Anspruch gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung geltend gemacht werden. So lange keine Erwerbsunfähigkeit vorliegt, können auch sehr gut ausgebildete Arbeitnehmer auf einfache Hilfstätigkeiten verwiesen werden, wenn sie ihren Hauptberuf nicht mehr ausüben können. Für den Fall, dass sich auf dem Arbeitsmarkt kein geeigneter Arbeitsplatz finden, sind diese Menschen in der Regel auf das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, die finanziellen Einbußen einer eventuellen Berufsunfähigkeit durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung absichern. In der Regel ist mit diesen Policen auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung kombiniert. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann dabei als eigenständige Versicherung abgeschlossen werden. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, diese Versicherungen mit anderen zu kombinieren. So kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch Bestandteil einer Risiko-Lebensversicherung, oder einer Kapital- und Rentenversicherung sein. Ebenso kann die Berufsunfähigkeitsversicherung auch im Zusammenhang mit einem Aktien- und Rentenfonds sowie mit einer betrieblichen Rentenversicherung verbunden sein. Die Leistung der Berufsunfähigkeitsversicherung wird gewährt, wenn durch ein ärztliches Gutachten festgestellt wird, dass der Hauptberuf in absehbarer Zukunft nicht mehr oder nur teilweise ausgeübt werden kann. In der Regel wird hierfür ein Prognosezeitraum von sechs Monaten bis zu drei Jahren festgelegt. Ein Versicherungsnehmer gilt damit als berufsunfähig, wenn keine Aussicht darauf besteht, dass innerhalb dieser Zeit die Berufsfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Die Berufsunfähigkeit muss mindestens 50 Prozent betragen, um in den Genuss des Versicherungsschutzes zu kommen. In diesen Fällen erhält der Versicherungsnehmer eine sogenannte Leibrente in der vorher festgelegten Höhe. Eine Bemessung auf der Grundlage des tatsächlich erlittenen Schadens durch den Eintritt der Berufsunfähigkeit erfolgt nicht.

Vor allem ältere Versicherungsverträge enthalten häufig Klauseln zur sogenannten abstrakten Verweisung. Diese Klauseln legen fest, dass die Versicherung nicht zur Leistung verpflichtet ist, wenn die versicherte Person einen anderen Beruf ausüben kann, der Ausbildung und Qualifikation der versicherten Person und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Allerdings muss der Versicherungsnehmer ein bis zu 20 Prozent geringeres Gehalt hinnehmen. In neueren Versicherungspolicen wird zum Vorteil des Versicherungsnehmers auf die „abstrakte Verweisung“ verzichtet. Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung muss der Versicherungsnehmer der Versicherung alle Informationen zur Verfügung stellen, die für den Versicherungsvertrag relevant sind. Insbesondere darf der Versicherungsnehmer Krankheiten, Drogenabhängigkeiten, Unfälle und Behandlungen in der Vergangenheit weder geheim halten noch verschleiern oder beschönigen. Möglicherweise kann durch falsche Angaben der Versicherungsschutz erlöschen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich nach unterschiedlichen Aspekten. Neben dem Alter, in dem mit der Zahlung von Versicherungsbeiträgen begonnen wird, spielt auch der Gesundheitszustand eine wesentliche Rolle. Freilich ist für die Höhe der Versicherungsbeträge auch der Beruf ausschlaggebend, denn der ausgeübte Beruf bestimmt wesentlich das Risiko der Berufsunfähigkeit. Darüber hinaus können in der Vertragsgestaltung auch noch weitere Stellschrauben gedreht werden: Zum einem kann das Alter, bis zu dem eine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt werden soll, individuell festgelegt werden. In der Regel wird man jedoch das gesetzliche Renteneintrittsalter wählen, da die Berufsunfähigkeitsversicherung ohnehin mit dem Eintritt ins Rentenalter endet. An ihre Stelle tritt die reguläre Altersrente.

Ebenfalls kann in den Versicherungsverträgen festgelegt werden, bis zu welchem Lebensjahr der Versicherungsfall eintreten kann. So kann beispielsweise bestimmt werden, dass der Versicherungsfall vor dem 55. Lebensjahr eintreten muss, wenn man Ansprüche an die Versicherung gelten machen möchte. Damit können die Beiträge niedrig gehalten werden. Tritt die Berufsunfähigkeit aber später ein, ist man unter Umständen auf andere Modelle wie Frührente und Altersteilzeit angewiesen.

Beim Vertragsabschluss empfiehlt es sich, die Verträge genau zu prüfen und mit den Angeboten anderer Anbieter zu vergleichen, da teils erhebliche Unterschiede bestehen. Vor allem auf folgende Punkte sollte geachtet werden: Zunächst sind die Verträge besonders vorteilhaft, die auf die abstrakte Verweisung verzichten. Damit sind die Leistungen der Versicherung garantiert, wenn der Hauptberuf nicht mehr ausgeübt werden kann. Ob eine andere Tätigkeit in Frage käme, ist bei Verträgen, die auf die abstrakte Verweisung verzichten, nicht relevant. Je kürzer der Prognosezeitraum ist, umso besser ist es für den Versicherungsnehmer. Denn damit tritt die Leistungspflicht der Versicherung früher in Kraft. Auch eventuelle, rückwirkende Zahlungen für die Zeiträume, in denen die Berufsunfähigkeit noch nicht eindeutig festgestellt war, sind vorteilhaft für den Versicherungsnehmer. Das gilt besonders dann, wenn die rückwirkenden Zahlungen auch dann erfolgen, wenn die Meldung und Feststellung der Berufsunfähigkeit erst verspätet erfolgt.

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Ein paar Broschüren über das Thema Berufsunfähigkeit und warum man sich dagegen absichern soll können Sie hier als PDF downloaden:

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