Berufsunfähigkeit Leistungen – wen und was die Versicherung absichert

Die häufigsten Ursachen, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können, sind psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, schwere Erkrankungen wie beispielsweise Krebs, während Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Unfälle auf den hinteren Plätzen rangieren. Die Auflistung zeigt, dass Berufsunfähigkeit jeden treffen kann. Deshalb ist es für Arbeitnehmer, Selbstständige und Freiberufler wichtig, die Leistungen in der BU zu kennen, die im Falle einer Berufsunfähigkeit den Lebensstandard zumindest teilweise sichern muss.

Die Voraussetzungen für die Anerkennung der Berufsunfähigkeit

Abhängig vom Einkommen und von der vereinbarten Versicherungssumme sichert die BU-Versicherung die Existenz und bietet Schutz vor dem finanziellen und sozialen Abstieg. Möglich wird das durch die Berufsunfähigkeit Leistungenteilweise Abdeckung des finanziellen Bedarfs nach Eintritt des Versicherungsfalls und nach Erkennung der Berufsunfähigkeit durch den Versicherer.

Die Versicherungsleistung ist an die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen geknüpft. Im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) ist geregelt, ab wann eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Dazu bedarf es eines medizinischen Gutachtens, in dem eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent von einem Gutachter bestätigt wird. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer zu mindestens 50 Prozent außerstande sein muss, seine zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit auszuüben und das für voraussichtlich 6 Monate oder länger. Darüber hinaus kann die Anerkennung der Berufsunfähigkeit an weitere Merkmale geknüpft werden, zu denen diese Sachverhalte zählen können:

  • Die Zuordnung in eine Pflegestufe in der gesetzlichen Pflegeversicherung,
  • die Dienstunfähigkeit bei Beamten, durch die ein Beamter aufgrund seines körperlichen oder gesundheitlichen Zustands dauerhaft arbeitsunfähig ist,
  • der Verlust der Schul- oder Studierfähigkeit bei Schülern und Studenten oder
  • das Vorliegen einer Erwerbsminderung in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die genannten Sachverhalte sollen dem Versicherungsnehmer regelmäßig eine größere Sicherheit bezüglich der Leistungspflicht des BU-Versicherers geben. Deshalb ist es sinnvoll, vor Abschluss einer BU-Versicherung die Leistungen für den Versicherungsfall sorgfältig miteinander zu vergleichen.

Die Berufsunfähigkeitsrente als Kernelement in der BU-Versicherung

Die Berufsunfähigkeitsrente ist das Herzstück der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie wird ausbezahlt, wenn die Voraussetzungen für die Leistungen aus der BU-Versicherung vorliegen. Der Versicherungsnehmer muss dazu nachweislich den vertraglich festgelegten Grad der Individualität aufweisen, der bei mindestens 50 Prozent liegt. Außerdem muss die Berufsunfähigkeit voraussichtlich auf Dauer bestehen, mindestens jedoch für den Zeitraum von 6 Monaten. Wie lange und in welchem Umfang der Versicherungsnehmer berufsunfähig ist, wird regelmäßig durch eine ärztliche Untersuchung ermittelt und in einem Gutachten schriftlich fixiert.

In diesem Zusammenhang ist es für Versicherungsnehmer wichtig, auf detaillierte Formulierungen im Versicherungsvertrag zu achten. Eine in den Vertragsbedingungen vorhandene Formulierung „voraussichtlich auf Dauer“ sollte durch den Wortlaut „voraussichtlich sechs Monate“ ersetzt werden. Nur mit konkreten Formulierungen ist im Leistungsfall genau definiert, wie lange die Berufsunfähigkeit mindestens andauern muss, um die Auszahlung der BU-Rente sicherzustellen.

Die Höhe der BU-Rente als Voraussetzung für den Erhalt des Lebensstandards

Die Höhe der BU-Rente ist abhängig vom Verdienst des Versicherungsnehmers. Die BU-Rente ist darauf ausgerichtet, die Existenz zu sichern und den bisherigen Lebensstandard trotz Berufsunfähigkeit zu erhalten. Deshalb orientiert sich die BU-Rente der Höhe nach am Verdienst des Versicherungsnehmers im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Insoweit erfährt die BU-Rente zwei Begrenzungen. Einerseits sollte sie in ausreichender Höhe gewählt werden. Andererseits ist sie der Höhe nach begrenzt, da sie sich prozentual am Einkommen orientiert. Aus diesem Grund geben die Versicherungsgesellschaften oftmals Obergrenzen für die Berufsunfähigkeitsversicherung vor. Anderes gilt zum Beispiel für Auszubildende und für Studenten, für die meist pauschale Obergrenzen gelten.

Entscheidend für die Höhe der BU-Rente sind deshalb zwei Aspekte:

1. Für die Bestimmung der Höhe der BU-Rente kommt es für den Versicherungsnehmer darauf an, wie groß die Lücke zwischen dem derzeitigen Nettoeinkommen und den Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Anhand dieser Berechnung können die Höhe der monatlichen BU-Rente festgelegt und auch die Beitragszahlungen bestimmt werden.
2. Als Faustregel gilt: Über eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte rund 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens abgesichert werden. Anderes gilt für Selbstständige, für die die meisten BU-Versicherer eine Höchstgrenze von 60 Prozent aus dem Gewinn vor Steuern vorsehen. Für Beamte halten die meisten BU-Versicherer eine Absicherung von rund 50 Prozent der Bezüge für ausreichend.

Wichtiger Hinweis: Für alle Versicherungsnehmer gilt außerdem, dass die Absicherung über die BU-Rente das aktuelle Nettoeinkommen nicht überschreiten darf!

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Die Flexibilität der BU-Versicherung nutzen: Die Anpassung an die tatsächlichen Lebensumstände durch Dynamisierung

Die persönlichen Lebensumstände ändern sich im Laufe eines Lebens. Die Höhe der vereinbarten BU-Rente und der Beitragszahlungen orientiert sich an der finanziellen Situation im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Auf veränderte Lebensumstände reagiert die Berufsunfähigkeitsversicherung durch eine dynamische Anpassung in Bezug auf die Beiträge und die Leistungen, und das funktioniert so:

  • Bei der Beitragsdynamik steigt die versicherte Rente jährlich um einen bei Vertragsschluss vereinbarten Betrag, sodass Einkommenserhöhungen entsprechend berücksichtigt werden.
  • Die Leistungsdynamik stellt sicher, dass die ausgezahlte Rente mit Eintritt der Berufsunfähigkeit um einen zuvor festgelegten Satz angepasst wird, der regelmäßig zwischen 1 und 3 Prozent liegt.
  • Enthält der Versicherungsvertrag eine Nachversicherungsgarantie, dann kann die BU-Rente bei Vorliegen bestimmter Sachverhalte erhöht und an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst werden. Das gilt für die Eheschließung, die Geburt eines Kindes, für den Erwerb einer Immobilie oder für Einkommenserhöhungen von mindestens 10 Prozent. Der Vorteil der Nachversicherungsgarantie besteht darin, dass eine erneute Gesundheitsprüfung entfällt.

Die richtige Laufzeit schützt vor Versorgungslücken

Je früher eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird, umso mehr profitiert der Versicherungsnehmer von dauerhaft günstigen Beiträgen. Das liegt zum einen an dem mit zunehmendem Alter steigenden Risiko, berufsunfähig zu werden und zum anderen an der längeren Vertragslaufzeit. Unabhängig vom Alter im Zeitpunkt des Vertragsschlusses verdient die Leistungsdauer besondere Beachtung. Oftmals werden Laufzeiten gewählt, die nicht bis zum Eintritt des gesetzlichen Rentenalters reichen. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter auf das 67. Lebensjahr angehoben wurde. Endet die Laufzeit der BU-Versicherung mit dem 60., 63. oder 65. Lebensjahr, kann es bei Eintritt der Berufsunfähigkeit zu einer erheblichen Einkommenslücke kommen.

Warum der Prognosezeitraum so wichtig ist

Die Gewährung von Leistungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist abhängig vom Prognosezeitraum. Das ist der Zeitraum, in dem die berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, was durch eine ärztliche Diagnose ermittelt wird. Die Berufsunfähigkeit ist von der Arbeitsunfähigkeit abzugrenzen. Während es sich bei der Arbeitsunfähigkeit um einen vorübergehenden krankheitsbedingten Ausfall handelt, geht die Berufsunfähigkeit weit darüber hinaus. Sie muss dauerhaft sein und mindestens sechs Monate ununterbrochen andauern. Der Prognosezeitraum wird in den Vertragsbedingungen genannt und sollte mit „voraussichtlich 6 Monate“ definiert sein, wobei bei guten Versicherern auch rückwirkend geleistet wird, wenn die Berufsunfähigkeit erst später festgestellt wird. Von den Versicherungsbedingungen ist abhängig, ob die BU-Rente nach Ablauf des Prognosezeitraums oder ab Eintritt der Erkrankung gezahlt wird.

Warum die vorvertraglichen Anzeigepflichten auch während der Vertragslaufzeit von Bedeutung sind

Da die Leistungspflichten einer BU-Versicherung sehr umfassend sind, müssen Antragsteller vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung Fragen zur Gesundheit sowie zu beruflichen und freizeitbedingten Risiken beantworten. Auf diese Weise kann der Versicherer die Erkrankungsgefahr von Antragstellern abschätzen und wird den einen oder anderen Antragsteller bei bestimmten Vorerkrankungen oder Risiken ablehnen. Wer als Antragsteller glaubt, sich die Aufnahme in eine BU-Versicherung durch fehlerhafte Angaben sichern zu können, muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Fehlerhafte Angaben können mit Eintritt der Berufsunfähigkeit zu einem Ausschluss der Leistungen führen. Insoweit machen wahrheitswidrige Angaben keinen Sinn, denn sie führen immer ins Leere. Das gilt auch dann, wenn Angaben im Antrag verschwiegen oder verharmlost werden.

Berufsunfähigkeit Leistungen – die Beitragshöhe in der BU wird durch den Beruf des Versicherungsnehmers, die Dauer des Vertrags, die Rentenhöhe und den Gesundheitszustand bestimmt. Wer in seiner Freizeit bevorzugt risikoreiche Sportarten favorisiert, zum Beispiel Free Climbing oder Paragliding, oder einen risikoreichen Beruf ausübt, zum Beispiel als Dachdecker oder Sprengmeister, sollte vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine Risikovoranfrage stellen lassen. Auf diese Weise kann im Vorfeld geklärt werden, ob diese besonderen Risiken vom BU-Versicherer getragen werden und wenn ja, ob der Versicherungsnehmer mit einem Risikoaufschlag rechnen muss.

Was Sie bei der vorvertraglichen Anzeigepflicht beachten müssen, lesen Sie hier:

Diese Leistungsausschlüsse gibt es in der BU-Versicherung

Der BU-Versicherer kann in den Vertragsbedingungen bestimmte Leistungen ausschließen. Sie gelten für alle Versicherten des jeweiligen BU-Tarifs. Zu diesen bedingungsgemäßen Leistungsausschlüssen gehören diese:

  • Einige BU-Versicherer schließen eine Leistungspflicht bei Vergehen im Straßenverkehr aus. Eine gute BU-Versicherung wird auch dann eine Leistung erbringen, wenn der Grund für die Berufsunfähigkeit ein grob fahrlässiger Verstoß im Straßenverkehr ist.
  • Die meisten BU-Versicherer versichern Strahlenschäden nicht. Das gilt für Personen, die Strahlenschäden aufgrund von Kernenergie aufweisen. Anderes gilt für beruflich bedingte Strahlenschäden, beispielsweise bei Röntgenassistenten, die im Versicherungsschutz enthalten sind.
  • Einige BU-Versicherer sehen einen Leistungsausschluss vor, wenn die Berufsunfähigkeit durch einen Terroranschlag verursacht wird, der auf ABC-Stoffe zurückzuführen ist.
  • Das gilt auch für das Erzielen von Höchstgeschwindigkeiten bei Fahrveranstaltungen, zum Beispiel bei Autorennen. Diesbezüglich sehen einige Tarife keine Leistung vor.
  • Einige BU-Tarife enthalten eine Luftfahrtklausel, mit der die Leistungspflicht in der BU-Versicherung für Besatzungsmitglieder von Fluggesellschaften im Zusammenhang mit einer Luftfahrt eingeschränkt wird.

Berufsunfähigkeit Leistungen – diese Merkmale sind wichtig

Ein Qualitätsmerkmal für eine gute Berufsunfähigkeit Leistungen ist der Verzicht auf eine abstrakte Verweisung in allen Berufsgruppen. Dieser Verzicht sollte sich auch auf Personen erstrecken, die eine überwiegend körperliche Arbeit ausüben. Nur wenn eine konkrete Verweisung in den Versicherungsbedingungen garantiert ist, wird die BU-Rente auch dann an den Versicherungsnehmer gezahlt, wenn er theoretisch eine mit seinem Beruf vergleichbare Tätigkeit ausüben könnte.

Die Qualität einer BU-Versicherung zeichnet sich außerdem durch diese Leistungen aus:

  • Befreiung von der Beitragspflicht, durch die der Versicherungsnehmer nach Eintritt der Berufsunfähigkeit von weiteren Beitragszahlungen befreit ist
  • Dienstunfähigkeitsklausel für Beamte, nach der eine Berufsunfähigkeit auch dann vorliegt, wenn der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wird
  • Infektionsklausel, nach der die BU-Versicherung die vertraglich vereinbarten Leistungen auch dann erbringt, wenn vom Versicherten eine Infektionsgefahr ausgeht und deshalb ein Berufsverbot erteilt wird
  • Befristete Anerkenntnisse, durch die der Versicherer festlegt, dass er eine BU-Rente nur ein Mal und für maximal 12 Monate befristen darf
  • Weltweiter Versicherungsschutz, der einem im Ausland lebenden Versicherungsnehmer Versicherungsschutz gewährt

BU-Versicherung als eigenständige Police abschließen und Tarife vergleichen

Eine BU-Versicherung kann als selbstständige Versicherung abgeschlossen werden oder in Kombination mit einer Kapitallebensversicherung. Eine Versicherung im Doppelpack ist jedoch nicht empfehlenswert, und dafür gibt es einen guten Grund: Wird die Lebensversicherung verkauft oder aufgrund von Arbeitslosigkeit gekündigt, geht auch der Schutz aus der Berufsunfähigkeitsversicherung verloren.
Insgesamt lohnt es sich für Verbraucher, die Berufsunfähigkeit Leistungen und Preise der BU-Versicherer sorgfältig zu vergleichen.

Eine Muster-Übersicht der Möglichkeiten einer BU-Absicherung können Sie als PDF downloaden:

Rückfragen / Angebotserstellung zur Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

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Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

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5 Kommentare zu “Berufsunfähigkeit Leistungen – wen und was die Versicherung absichert

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