Die Blockchain – technisches Wunderwerk oder ein weiterer Schritt zur totalen Überwachung?

Die Blockchain könnte bestehende Techniken auf den Kopf stellen. Intelligente Verträge, ein wesentlich günstigerer und überwachungssicherer Onlinespeicher mit integrierter Privatsphäre und manipulationssichere E-Voting-Systeme sind Stichpunkte, die diese geradezu revolutionäre Technik charakterisieren. Sie ist in aller Munde und kaum einer weiß wirklich, worum es sich tatsächlich handelt. Der nachfolgende Artikel bringt Licht ins Dunkel.

Was ist eine Blockchain?

In einer einfacheren Erklärung könnte eine Blockchain als digitaler Kontoauszug bezeichnet werden, der Transaktionen zwischen Computern ausweist und jede Veränderung genau erfasst. Das Besondere ist, dass sie diese Transaktionen Blockchaindezentral und transparent nicht nur auf einem Rechner speichert, sondern auf viele Rechner verteilt. Das hat zur Folge, dass die Informationen nicht oder nur mit einem ungeheuren Aufwand manipulierbar und verifiziert sind.

Der Name Blockchain stammt von den Blocks-Dateien, in denen alle Informationen über Transaktionen gespeichert sind. Streng genommen gibt es also nicht nur eine Blockchain, sondern mehrere Blockchains. Jede Block-Datei beinhaltet einen Hash der vorangegangenen. Dadurch wird sichergestellt, dass eine Reihe vom ersten Block, der auch Genesis-Block genannt wird, bis zum letzten Block nachvollziehbar ist. Wird ein neuer Block hergestellt, bedarf dieser einer komplexen Berechnung. Dabei wird der SHA-256-Hashing-Algorithmus verwendet. Diese Aufgabe wird umso schwieriger und rechenintensiver, je mehr Blocks berechnet werden. Nach einer bestimmten Anzahl erstellter Blocks wird das Schwierigkeitsziel des Systems angepasst, sodass ungefähr alle zehn Minuten eine Aufgabe gelöst wird. Hat ein Knoten im Netzwerk eine Aufgabe gelöst, wird ein weiterer Block angehängt. In jedem neuen Block ist wiederum der Hash-Wert des jeweiligen Vorgängerblocks enthalten. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die dadurch entstandene Kette nicht unterbrochen wird. Das bedeutet, dass sich die Blockchain, ausgehend vom jeweils aktuellen Block, zuverlässig zurückrechnen lässt. Die Namen der Netzwerkknoten beziehungsweise Netzwerkteilnehmer, die solche Blocks berechnen, variieren und heißen zum Beispiel Miner oder Validator.

Die Idee hinter der Blockchain

Der Blick wandert nach Russland, wo es einen jungen Mann gibt, der der Finanzwelt aktuell nicht nur Rätsel aufgibt, sondern sie in ein Dilemma stürzt. Die Rede ist von dem erst 21 Jahre alten Vitalik Buterin, aus dessen Ideen die Technologie der Blockchain entstanden ist. Die übergeordnete Idee ist, dass ein weltweiter Austausch von Werten möglich ist, ohne dass es eine Art Oberaufseher oder komplizierte Verifizierungsverfahren gibt oder Gebühren erhoben werden. Doch gerade davon leben die Banken und die Finanzwelt. Das Dilemma dieser Branche besteht darin, dass sie durch die Nutzung dieser Technologie ihr bisheriges Geschäftsmodell zerstören und insoweit am eigenen Ast sägen könnte.

Entstanden ist die Idee durch die virtuelle Währung Bitcoin. Tatsächlich hat eine Blockchain das Potenzial, mehr als das Finanzsystem zu verändern. Werden Zahlungsvorgänge mit Bitcoin abgewickelt, werden keine Informationen wie Name und Adresse sowie die Kartennummer abgefragt oder gespeichert. Auch Gebühren fallen nicht an, und das trifft Kreditkartenunternehmen schwer, die von diesen Gebühren leben. Auf dem Punkt gebracht bedeutet das, dass Zahlungsverkehr mit Bitcoin „kassierende“ Mittelsmänner und Datenspeicherung in großem Umfang überflüssig macht. Das ist in der Tat revolutionär, da es den Todesstoß nicht nur für die Finanzbranche bedeuten kann.

Was Blockchain für die Zukunft verschiedener Branchen bedeutet

Vitalik Buterin, der Erfinder von Blockchain, hat Russland verlassen und arbeitet mittlerweile intensiv in der Schweiz mit einem Team von Programmierern an seiner Idee. Das tut mittlerweile auch die sehr unruhig gewordene Finanzbranche. Vitalik Buterin ist sich längst bewusst, dass Blockchain weit mehr ist als ein dezentrales Buchungssystem für die Finanzwelt. Das Prinzip lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen, nämlich auf den Erwerb oder Verkauf von Aktien, von Häusern oder von Autos – und eigentlich auf jede Art von Vertrag. Das ist eine Sensation und könnte zur Folge haben, dass Blockchain verschiedene Berufsgruppen ins Wanken bringt, die sich als zwischengeschaltete Mittelsmänner ihre Dienste bislang teuer haben bezahlen lassen. Mit Bitcoin könnten die Aktionen in Zukunft selbst ausgeführt werden. Die fortschreitende Digitalisierung in Gestalt von Blockchain und Bitcoin sorgt immer schneller dafür, dass die Macht und Kontrolle zentraler Autoritäten auf die Masse der Anwender und Netzwerke übertragen wird, die in Zukunft eigenverantwortlich handeln. Tatsächlich ist Vitalik Buterin selbst ein Verfechter von Freiheit und Eigenverantwortlichkeit in Bezug auf die Entwicklung des Internets.

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Viele Hoffnungen ruhen auf Blockchain

Viele der Projekte befinden sich noch im Alphastudium oder einem sehr frühen Betastudium. Doch keinesfalls handelt es sich bei Blockchain um eine Spinnerei, sondern um eine Technologie, die verschiedene Branchen das Zittern lehrt und andere Branchen hoffen lässt. Bereits mehrere der größten Banken weltweit versuchen aktuell, die neue Technik für eine wesentliche Verbesserung der Sicherheit zu nutzen. Das gilt auch für die elektronische US-Börse Nasdaq, die bereits angekündigt hat, mit der Blockchain von Bitcoin das sichere Ausstellen und den Transfer von Aktien zu ermöglichen. Das gilt gleichermaßen für die Musikbranche, die darauf hofft, mit der Blockchain die Musikindustrie zu retten.

Es ist vor allem das Unternehmen Bitcoin, das mit dieser Technik ein ambitioniertes Ziel verfolgt. Mit dieserTechnik als Basis kann es möglich werden, ein neues Zahlsystem zu schaffen und bisherige Zahlungsdienstleister, zum Beispiel Kreditkartenanbieter oder Paypal, zu ersetzen. Dadurch wäre es möglich, bei Transaktionen alle Veränderungen genau zu speichern und zwar so, dass diese für die Beteiligten nachvollziehbar sind, aber nicht geändert werden können.

Blockchain – Datenmanipulation nahezu ausgeschlossen

Die Datenmanipulation mit Blockchain ist nahezu ausgeschlossen. Grund ist, dass für die Gültigkeit eines Blocks bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Alle Bitcoin-Clients teilen sich das Target, wobei Target die Bezeichnung für eine 256 bit lange Nummer ist. Der Hash eines neuen Blocks muss entweder kleiner sein als das Target oder dem Target entsprechen, nur dann kann der Block gültig sein. Anderes gilt, wenn der Hash eines neuen Blocks größer ist als das Target. Dann wird der Hash-Wert neu errechnet, sodass der Wert ein komplett neuer ist. Sobald dieser neue Wert berechnet ist, wird er erneut mit dem Target verglichen. Erfüllt der neue Block die Vorgaben, wird er Teil der Blockchain. Dann beginnt die Berechnung des nächsten Blocks. Dieser Prozess wird auch als Proof of Work bezeichnet. Die Berechnung mehrerer Blocks folgt dem Grundsatz, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bestätigen mehrere Blöcke die gleichen Transaktionen, wird nur ein Block übernommen und die anderen Blöcke werden verworfen. Aus der Summe der Blocks entsteht die Transaktionsdatenbank der Kryptowährung. Da jeder Block nach der Berechnung nicht mehr verändert werden kann, wird jede Buchung festgeschrieben, wobei keine ältere gelöscht werden kann. Während im klassischen Bankensystem die Daten unter Verschluss sind, werden diese an die Endpunkte im Blockchain-Netzwerk verteilt. Auf diese Weise ist es nahezu unmöglich, diese Daten zu ändern. Eine Änderung wäre nur dann möglich, wenn der auf einem Hash-Wert basierende Block sowie die nachfolgenden Blöcke, also die gesamte Kette, neu berechnet werden. Das allerdings wäre mit einem riesigen Aufwand verbunden, da der Angreifer alle vorangegangenen Blocks neu berechnen müsste. Die unveränderliche Struktur ist einer der Vorteile einer Blockchain. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz, wodurch alle Transaktionen nachvollzogen werden können. Es stimmt insoweit nicht, dass Bitcoin komplett anonym ist. Der Nutzer hinter den Accounts ist anonym. Ansonsten kann der der Weg, zum Beispiel einer Überweisung, von jedermann eingesehen werden. Ist ein Nutzer bekannt, lassen sich seine Transaktionen auch im Netzwerk finden.

Die Bedeutung der Blockchain für die Finanzwelt

Zusammengefasst könnte die Technologie hinter der Digitalwährung Bitcoin nicht nur die Finanzwelt von Grund auf verändern, was sich auch auf den Handel mit Diamanten und Kunst auswirken könnte. Mit Veränderung ist gemeint, dass es vor allem Betrüger schwer haben werden. So werden Diamanten oft mit gefälschten Angaben angeboten und verkauft, beziehungsweise es handelt sich um synthetische Steine und um nicht echte Diamanten. Aufschluss über die Echtheit gibt ein Zertifikat, das bei gefälschten Steinen regelmäßig nicht vorgelegt wird. Es wundert insoweit nicht, dass vor allem die Diamantenbranche mit Diebstahl, Versicherungsbetrug, Geldwäsche und anderen Problemen zu kämpfen hat, die auch die Finanzbranche insgesamt betreffen. Ebenso schwierig werden solche betrügerischen Aktionen mit einer Blockchain in Verbindung mit der digitalen Währung Bitcoin. Bereits jetzt tüfteln zahlreiche Banken, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank, in einem Konsortium an einem technischen Standard für Blockchains. Die US-Börse Nasdaq ist die erste Handelsplattform, die auf der Basis von Blockchains arbeitet.

Der Handel mit Diamanten funktioniert dann so: Beim Kauf eines Diamanten kann der Käufer den Edelstein über die Blockchain zweifelsfrei identifizieren. Er kann vor allem erkennen, ob beziehungsweise dass der Verkäufer tatsächlich der rechtmäßige Besitzer des Diamanten ist. Das bedeutet auch, dass er sicher sein kann, kein Diebesgut und keine Fälschung zu erwerben. Die Transaktion eines Diamanten wird dann in einen Datenblock verwandelt, wobei die Informationen verschlüsselt sind, sodass niemand weiß, wer an der Transaktion beteiligt ist. Die Anonymität ist ein weiterer Vorteil der Blockchain ebenso wie die Dezentralität. Die Blockchain existiert in Kopie auf zahlreichen Computern, die über das Internet miteinander verbunden sind und die wiederum den Datenblock und die damit verbundene Transaktion überprüfen. Durch die Dezentralität werden Abweichungen und damit Fälschungen sofort sichtbar. Ist die Transaktion verifiziert, werden die Daten der Blockchain hinzugefügt, die lediglich ergänzt und nicht geändert werden kann, sodass die Transaktion dauerhaft nachvollziehbar bleibt. Was mit Diamanten funktioniert, lässt sich auch auf Wertpapiere, auf Immobilien und Verträge übertragen. Noch ist es möglich, geldwerte Transaktionen über verschleierte Konten zu schleusen. Mit der Blockchain-Technologie wird die Beweiskette aller Transaktionen auf Knopfdruck unverfälscht und unwiderruflich sichtbar. In der Finanzwelt hat die Blockchain auch einen kostensenkenden Effekt. Während aktuell das Finanzsystem darauf ausgerichtet ist, dass Menschen an zentralen Punkten alle Zahlungen verbuchen, erfassen und kontrollieren, basiert die Blockchain darauf, dass diese Vorgänge dezentral abgewickelt werden. Das bedeutet aber auch, dass die bisherige Arbeit von Menschen in Sekundenschnelle von gigantischen Rechnern abgewickelt wird, wodurch Personalkosten eingespart werden können. Anders ausgedrückt, die Kontrolle über sämtliche Transaktionen übernimmt das System selbst. Insoweit kann die Blockchain aufgrund ihrer Fälschungssicherheit und Transparenz gefeiert werden. Andererseits bedeutet sie einen gigantischen Verlust von Arbeitsplätzen und die absolute Kontrolle über die Finanzen von Unternehmen und Privatpersonen.

Ausblick in die Zukunft

Die Blockchain-Technik ist komplex und noch relativ jung. Um sie umsetzen zu können, benötigen Unternehmen fähige Programmierer und Mathematiker. Deshalb befinden sich die meisten Projekte, abgesehen von reinen Kryptowährungen wie Bitcoin, noch in einem sehr frühen Stadium. Ein weiterer Grund für die noch zögerliche Umsetzung der Technik ist, dass ein sehr sorgfältiges Arbeiten erforderlich ist. Wird eine Blockchain als Unterbau verwendet und entdecken Angreifer einen Fehler, können sie das gesamte Projekt gefährden. Neben sorgfältigem Arbeiten, entsprechend qualifizierten Fachkräften und der fehlenden Marktreife der meisten Produkte fehlt oft auch das Vertrauen in die Blockchain. Daran ist Bitcoin nicht ganz unschuldig, da die Kryptowährung regelmäßig negative Schlagzeilen schreibt, zum Beispiel durch Erpressungsdienste, die Bitcoin nutzen oder durch insolvente Börsen mit wenig vertrauenswürdigen Gründern. Abgesehen von schwarzen Schafen gibt es durchaus auch interessante Ansätze und Lösungen, die in unterschiedlichen Branchen zu Verbesserungen und Änderungen führen könnten. Noch ist die Grenze zwischen blindem Hype und überzogener Skepsis fließend und nicht klar definiert. Allerdings ist es Teil der menschlichen Natur, sich von widerstreitenden Projekten entweder mitreißen zu lassen oder sie zu bekämpfen. In jedem Fall lohnt es sich, Informationen über Blockchain zu haben und die weitere Entwicklung im Blick zu behalten.

Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

2 Kommentare zu “Die Blockchain – technisches Wunderwerk oder ein weiterer Schritt zur totalen Überwachung?

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