Die Deutschen und ihre Kredite

Zum Thema Kredite gibt es auf diesem Blog eine eigene Unterkategorie namens Finanzierung. Aber dort finden sich bislang nur sehr direkte Ratgeber zu ganz konkreten Themen. Heute indes wollen wir die Gelegenheit ergreifen, und das große Thema mal aus der Vogelperspektive beleuchten. Statistischer, übersichtlicher und auf die Majorität der Deutschen bezogen und darauf, wie sie es mit Krediten im Allgemeinen so halten. Und vielleicht wird der eine oder andere dabei feststellen, dass es sehr viele gibt, die in der gleichen finanziellen Situation stecken wie er selbst.

Kredite

Wie viele Deutsche haben überhaupt einen Kredit?

Rund 82 Millionen Einwohner hat Deutschland. Und ein überraschend hoher Teil davon ist aktuell dabei, irgendeine Form von Kredit zurückzuzahlen und Experten vermuten, dass sogar rund zwei Drittel aller Bundesbürger bereits Kredit-Erfahrungen gemacht haben. Allerdings gilt das nicht für alle Deutschen gleichermaßen. Viel mehr muss man dazu die Altersgruppen aufschlüsseln. Das macht die Schufa in regelmäßigen Abständen, die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Und da sieht es so aus, dass die Altersgruppe mit den meisten Kreditnehmern diejenige zwischen 45 und 49 Jahren ist. Da zahlen aktuell 21,7% einen Kredit zurück. Dicht daran ist die nächstältere Gruppe der 50- bis 54-jährigen (21,5%) sowie die der Früh-Vierziger mit 20,9%. Dabei ist in der Grafik ein deutlicher Trend zu beobachten: Ab 25 Jahren liegt das Kreditnehmer-Verhältnis konstant oberhalb von 15%, um dann ab 64 Jahren scharf abzusinken – von den über-74-jährigen zahlen gerade einmal 3,3% einen Kredit zurück.

Wofür nutzen die Deutschen ihre Kredite?

Eigentlich sollte man angesichts des dank der Niedrigzinsphase hochgeschaukelten Eigenheim-Bau-Booms glauben, dass die Majorität aller Kredite hierzulande für ein Häuschen genommen wird. Stimmt tatsächlich aber nicht. Das verrät uns eine weitere Statistik, welche dieses Mal vom Vergleichsportal Kreditheldstammt. Nur zwölf Prozent der Kredite haben mit dem Wohnen zu tun, zumal darin auch noch Renovierungen, Umzüge, Möbelkauf usw. inkludiert sind. Die große Mehrheit indes geht für des Deutschen allerliebstes Kind drauf: Der Kauf von Autos und Motorrädern bildet mit 33% den unangefochtenen Spitzenplatz für die Kreditnutzung. Platz Zwei folgt mit weitem Abstand und 24% für Gebrauchsgüter, etwa Elektro-Großgeräte aber mit den steigenden Preisen von Smartphones auch immer häufiger für diese – immerhin haben Oberklasse-Geräte schon längst die Tausend-Euro-Schallmauer durchbrochen. Interessant: Obwohl die Deutschen ein sehr reisefreudiges Volk sind, werden nur magere zwei Prozent der Kredite für Reisen aufgewendet.

Kredite

Wer nimmt eher einen Kredit: Männer oder Frauen?

Die gleiche Studie, die auch schon die Datengrundlage für den vorherigen Abschnitt lieferte, stand auch Pate für diese Information: 56% aller Kreditnehmer im Land sind Männer, nur 44% Frauen. Allerdings lässt sich das nicht ausschließlich mit einer höheren Ausgabebereitschaft der Männerwelt erklären, sondern ist auch ein selten beachteter Nachweis für etwas anderes: Männer verdienen nach wie vor in aller Regel mehr als Frauen. Von da an ist es zum Kredit nur ein Katzensprung, wer mehr verdient, kann mehr zurückzahlen, wird von den meisten Banken als „besserer“ Kreditnehmer angesehen und bekommt somit die besseren Konditionen. Und so kommt es, dass selbst bei vielen Ehepaaren der Mann alleine als Kreditnehmer auftritt, obwohl beide davon profitieren.

Wo leben eigentlich die meisten Kreditnehmer?

Wer einen Kredit hat, der hat automatisch auch Schulden, ist also Schuldner. Das Wort klingt dabei wesentlich negativer in den meisten Ohren, als es gemeint ist. Mit diesem Wissen kann man auch einen weiteren Überblick sehen. Eine Studie, welche vom Schufa-Konkurrenten Creditreform stammt, der SchuldnerAtlas Deutschland. Und der wiederum fand Erstaunliches heraus, denn es gibt auf der deutschen Karten ein deutliches Schuldner-Gefälle von Nordost nach Südwest. Die statistisch meisten Schuldner leben in Bremerhaven, hier sind sogar 21,2% der Kreditnehmer überschuldet. Am anderen Ende der Statistik liegt die oberbayrische Kreisstadt Eichstätt. Hier gibt es nur 3,8% Überschuldete. Und auch was die generelle Aufnahme von Krediten anbelangt, sind die Bayern keine guten Kunden für die Banker. Praktisch der gesamte Freistaat kommt auf extrem niedrige Werte, wohingegen in Sachsen-Anhalt sehr viele Kredite aufgenommen werden.

Dafür allerdings ist die Zahlungsmoral der Deutschen per se enorm hoch: Selbst in Regionen mit schlechter Rückzahlungsmoral, etwa dem Ruhrgebiet, werden noch mehr als 95% aller Kredite bedient. Von solchen Werten können Bankiers in anderen Ländern nur träumen.

Wo liegt die durchschnittliche Kredithöhe?

Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig aufsplitten. Denn was die Höhe der Kredite anbelangt, gibt es eine scharfe Trennung zwischen Immobilienkrediten und „allem anderen“. Bei den Immobilienkrediten lässt sich deutlich der Trend nach oben sehen: 234.000 Euro beträgt mittlerweile die Summe, die sich Deutsche für ihr Traumhaus leihen müssen. Kein Wunder allerdings, die Niedrigzinsphase hat dazu geführt, dass wesentlich mehr Menschen sich den Traum vom Eigenheim erfüllen können. Und wo die Nachfrage steigt, steigen automatisch auch die Preise – Häuser/Grundstücke sind heute um ein Vielfaches teurer als beispielsweise vor zehn Jahren.

Was die normalen Kredite anbelangt, sprechen wir hier von gut 10.000 Euro. Auch dabei gibt es abermals ein Altersgefälle, allerdings eines, das sehr schwach ausgeprägt ist: nur die Altersgruppen zwischen 40 und 64 Jahren liegen leicht über dem Mittelwert, bei ihnen sind es gut 11.000 Euro.

Dabei zeigt sich aktuell auch, dass die in vergangenen Jahren bei Konsumenten extrem beliebten (und bei Banken sehr ungeliebten) Kleinkredite bis 1000 Euro tendenziell eher auf dem absteigenden Ast zu finden sind. Kein Viertel aller abgeschlossenen Kredite gehört noch zu dieser Kategorie. Allerdings liegt hier der statistische Schwerpunkt deutlich bei den jungen Menschen.

Wer vergleicht am meisten?

Als finalen Punkt noch eine aufschlussreiche Trendzahl. Denn obwohl es eigentlich die etwas älteren Jahrgänge sind, welche momentan am ehesten Kredite abbezahlen, sind es hingegen die Jüngeren bis 39 Jahre, die besonders genau hinschauen und Kreditkonditionen bei mehreren Anbietern vergleichen. Je höher das Alter, desto eher tendieren Kreditnehmer also dazu, einfach zur Hausbank zu gehen – obwohl diese bekanntermaßen nicht zwingend die besten Konditionen anbietet.

Aus dieser Sicht deshalb an dieser Stelle auch eine Empfehlung: Egal wie hoch der Kredit ist, es gibt mit höchster Sicherheit immer einen Anbieter, der es besser macht als die eigene Hausbank. Wie es so schön heißt: Fragen kostet nichts – spart einem mitunter aber eine Menge Geld.

Bildquelle:

Pixabay.com© 3dman_eu

Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

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