Geldanlage für Kinder: Es gelten besondere Sorgfaltspflichten

Es ist abzusehen, dass aufgrund der hohen Staatsverschuldung immer mehr Verantwortung auf den einzelnen Bürger übertragen wird. Das gilt für den Bereich der Rentenvorsorge ebenso wie für Versicherungen und die Ausbildung der Kinder. Deshalb ist es wichtig, Kinder früh an einen umsichtigen Umgang mit Geld heranzuführen mit dem Ziel, Geld anzulegen und es zu vermehren. Andererseits sind Anlageberater und Vermittler gegenüber Minderjährigen verpflichtet, bei der Geldanlage für Kinder möglichst risikoarme Geldanlagen zu empfehlen und zu vermitteln. Tun sie das nicht, können sich Kinder das Geld zurückholen.

Geldanlage für Kinder: Risiken bei der Vermittlung vermeiden

Das hat das Landgericht Hamburg bereits in einem Urteil vom 18. November 2010 – Az.: 334 O 95/09 – entschieden. Besondere Sorgfaltspflichten bei der Geldanlage für Kinder müssen nicht nur die Anlageberater und Vermittler wahren, sondern auch die Eltern. Sie sind nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verpflichtet, Geld für ihre Kinder mündelsicher anzulegen. Rechtsgrundlage ist 1807 BGB. Danach sind Geldanlagen mündelsicher, wenn Wertverluste weitgehend ausgeschlossen sind.

Mündelsichere Geldanlagen nach § 1807 BGB

Als mündelsichere Geldanlagen gelten unter anderem inländische Hypotheken sowie Grund- und Rentenschulden, Pfandbriefe, Bundes- und Länderanleihen sowie Konten bei Banken und Finanzinstituten, die über eine Einlagensicherung verfügen. Insoweit sind bei der Mündelsicherheit zwei Aspekte zu berücksichtigen. Zum einen muss die Geldanlage für Kinder davor geschützt sein, dass sie durch eine mögliche Insolvenz des kontoführenden Kreditinstitutes in Verlust geht, was durch einen Einlagensicherungsfonds abgesichert wird. Mündelsicher ist eine Anlageform zum zweiten nur dann, wenn sie selbst vor Verlusten, zum Beispiel in Form von Kursschwankungen, geschützt ist. Deshalb gehören auch Sparbücher und Tagesgeldkonten zu den mündelsicheren Anlageformen, wobei ihre Rentabilität mit Blick auf die Zinsentwicklung aktuell in Frage steht. Vermittler und Anlageberater müssen die Einlagensicherung ebenfalls im Auge behalten, die aktuell noch bei 100.000 Euro liegt.

Die Auswirkungen auf die Vermittlertätigkeit

Die Sorgfaltspflichten der Vermittler und Anlageberater bei der Geldanlage für Kinder sind weit gefasst. Nach dem Urteil des Hamburger Landgerichts sind Finanzberater dazu verpflichtet, im Interesse des Kindes zu handeln. Das bedeutet, dass der Schutz des Minderjährigen mehr wiegt als die Interessen der Eltern. Bevorzugen die Eltern eine Geldanlage für ihr minderjähriges Kind, die mit Risiken behaftet ist und nicht den Kriterien der Mündelsicherheit entspricht, haftet der Vermittler, wenn das Geld zum Beispiel aufgrund einer Insolvenz des kontoführenden Unternehmens und einer fehlenden Einlagensicherung in Verlust geht.

Die Haftung des Anlageberaters

Dem Urteil des Landgerichts Hamburg liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Die Eltern legten für ihr minderjähriges Kind ein Depot bei einer Bank an mit dem Ziel, das vorhandene Kapital gewinnbringend zu investieren. Der Vermittler befragte die Mutter nach den Anlagezielen des Kindes, wobei sie sich für ein hohes finanzielles Risiko entschied. Als Anlageziel nannte sie, dass höhere Vertragserwartungen angemessenen Risiken gegenüberstehen sollen. Aufgrund dessen empfahl der Vermittler ein sogenanntes Basket-Zertifikat. Dabei handelt es sich um ein spekulatives Finanzprodukt, das die Dynamik einer bestimmten Region oder Branche in Form eines Vergleichsindex abbildet. Spekulatives Finanzprodukt bedeutet, dass hohen Gewinnerwartungen einem Totalverlust gegenüberstehen. Tatsächlich kam es zu einem Totalverlust des in Zertifikate investierten Kapitals, weshalb das minderjährige Kind gegen den Vermittler Schadenersatzansprüche aufgrund einer fehlerhaften Anlageberatung geltend machte.

Seine Entscheidung begründete das Landgericht Hamburg damit, dass der Anlageberater seine Aufklärungspflicht dem Kind gegenüber verletzt habe. Entscheidend sei dabei nicht, ob der Berater die Risiken im Beratungsgespräch benannt habe. Entscheidend sei vielmehr, dass ein Anlageberater grundsätzlich dazu verpflichtet ist, an Minderjährige risikoarme beziehungsweise mündelsichere Anlagen zu vermitteln. Das bedeutet, der Vermittler hätte im vorliegenden Fall nicht dem Willen der Mutter Folge leisten dürfen, da der Schutz des minderjährigen Kindes bei der Vermittlung einer Geldanlage für Kinder überwiegt.

Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

1 Kommentar zu “Geldanlage für Kinder: Es gelten besondere Sorgfaltspflichten

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