Selbständig oder freiberuflich Tätig? Die Umorganisationsklausel spielt für Sie eine wichtige Rolle bei der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit!

Besonders Selbstständige oder Freiberufler tun sich oftmals schwer mit dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Gründe sind vielfältig: Befürchtungen in Bezug auf die Umorganisationsklausel, Leistungsverweigerung und damit einhergehende Gerichtsprozesse. Doch die Rechtsprechung als auch die große Konkurrenz innerhalb der Versicherungen haben für Selbstständige und Freiberufler zu einer spannenden Wendung geführt, die mehr Klarheit und Transparenz in den Regelungen mit sich führt.

Im Weiteren möchten wir genauer zu der Umorganisationsklausel für Selbständige informieren und haben zu dem Zwecke die Klausel genauer betrachtet.

Bei Berufsunfähigkeitsversicherungs-Leistungsanträgen wird bei Selbständigen und Freiberuflern immer die zumutbare Umorganisation der Arbeitsabläufe innerhalb des Betriebes, der Arbeitsstätte geprüft. Hier unterliegen jedoch alle Versicherungen rechtlichen Grundlagen, die immer Beachtung finden müssen.

So könnte folgende Formulierung genau beachtet werden:

Umorganisation bei Selbstständigen

Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn die versicherte Person in zumutbarer Weise weiterhin als Selbstständiger nach wirtschaftlich angemessener Umorganisation innerhalb seines Betriebs tätig sein könnte. Eine Umorganisation ist beispielsweise regelmäßig dann zumutbar, wenn

Ø  der versicherten Person die Stellung als Betriebsinhaber erhalten bleibt,

Ø  erheblicher Kapitaleinsatz nicht erforderlich ist und

Ø  keine erheblichen Einkommenseinbußen damit verbunden sind.

Sollten alle Faktoren hier positiv ausfallen, dann muss die Versicherung keine Berufsunfähigkeits-Leistungen gegenüber dem Versicherungsnehmer erbringen.

Doch diese Formulierung ist sehr schwammig, da sie keine genauen Angaben macht. So ist z.B. nicht benannt ab welcher Höhe ein Kapitaleinsatz erheblich ist oder anders bis zu welcher Geldhöhe gelten Einkommensbußen, bzw. muss der Unternehmer die Einbuße hinnehmen. Ungeklärte Sachverhalte wie die Beispiele könnten im Extremfall lange Prozesse mit sich ziehen.

Tipp: Achten Sie gleich beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auf deutliche und verständliche Formulierung bei der Umorganisationsklausel!

Keine Prüfung der Umorganisationsklausel bei der Berufsunfähigkeitsversicherung! Ist dies möglich?

Bei manchen Versicherern ist dies wahrlich möglich: Ein Verzicht auf die Prüfung der Umorganisationsklausel. Jedoch müssen auch hier bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Bei mehr als 20 % Einkommenseinbuße, keine Umorganisation

Immer häufiger zeigt sich, dass Versicherer von einer Umorganisation absehen, wenn die Einkommenseinbuße 20 % oder mehr ergibt. Dieser Zustand ist nicht mehr zumutbar. Grundlage bildet dabei der durchschnittliche steuerliche Jahresgewinn der letzten drei Jahre. Diese Regelung ist für viele Selbstständige gut annehmbar, denn die angsteinflößende Forderung zur Einstellung einer Fachkraft, welche die nicht mehr ausübbare Tätigkeit übernimmt, dürfte diese zulässige Einkommensminderung überschreiten.

  1. Keine Umorganisation bei weniger als fünf Mitarbeitern

Vereinzelt gibt es Berufsunfähigkeitsversicherer, die auf eine Prüfung verzichten, wenn der Betrieb weniger als fünf Mitarbeiter hat. Hier zählt der Selbstständige jedoch auch als Mitarbeiter der Firma. Folglich dürfen nur weitere drei Leute beschäftigt sein. Hier ist maßgebend nicht der Zeitpunkt wann die Berufsunfähigkeit abgeschlossen wurde, sondern wann genau der Eintritt in die Berufsunfähigkeit erfolgte.

  1. Verzicht auf Umorganisation bei Akademikern mit mind. 90% kaufmännischer oder organisatorischer Tätigkeit

Akademiker sind im Vorteil und müssen keine Prüfung der Umorganisation befürchten, wenn ihre tägliche Arbeitszeit mindestens zu 90 % kaufmännisch oder organisatorische Tätigkeiten beinhaltet. Doch die Frage der Definition was alles zu „kaufmännisch oder organisatorischer Tätigkeit“ zählt ist eine andere.

Übersicht zur Berufsunfähigkeit für Selbstständige in Bezug der Umorganisationsklausel:

 

Selbständig

Selbständig

Die Tabelle verdeutlicht, dass es Unterschiede in der Umorganisationsklausel von Versicherer zu Versicherer gibt. Zu beachten ist jedoch, dass eine verbraucherfreundliche Umorganisationsklausel nur ein Kriterium ist und nicht der Garant für eine gute BU-Versicherung. Hier ist eine gute Beratung für Selbstständige oberstes Gebot!

AU-Klausel für Selbstständige

Will man Anspruch auf Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung erwirken, so muss immer einer Berufsunfähigkeit nachgewiesen werden. So kann es auch zu Verzögerung der Anerkennung kommen. Bei Selbstständigen mit einer privaten Krankengeldversicherung kann es sein, dass die KTG-Versicherung Leistungen einstellt, das sie der Auffassung einer Berufsunfähigkeit sind. Doch kann es sein, dass zu dem Zeitpunkt die BU auch noch nicht leistet, da die vereinbarten Versicherungsbedingungen noch nicht vorliegen.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken wurde bei immer mehr Versicherungen die AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeits-Klausel) eingeführt. Gemäß dieser Klausel erhält der Versicherer seine vereinbarten monatlichen Leistungen, sobald er in der Zeit von sechs Monaten ununterbrochen berufsunfähig war. Die Dauer kann von Tarif zu Tarif unterschiedlich sein und eine Varianz von 18 bis hin zu 36 Monaten aufweisen.

Beachte: Hier fordert die BU-Versicherung eine ärztliche Bescheinigung der ununterbrochenen Arbeitsunfähigkeit gem. § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)!

Problematisch ist jedoch, dass die Entgeltzahlung vom Wortlaut sich nur auf Arbeitnehmer bezieht – und manchmal im Leistungsfall dies das Argument ist, warum Selbstständige nicht drunter fallen und keine Entgeltzahlung erhalten. Beruhigender weise wird an dieser Formulierung gearbeitet.

Die „Alte Leipziger“ geht hier mit gutem Beispiel voran, sie formuliert:

„Die ärztliche Bescheinigung für Arbeitsunfähigkeit müssen in Form den Vorschriften § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz entsprechen.

Wenn der Versicherte kein Arbeitnehmer ist, genügt ein entsprechendes Attest.“

Achtung bei vorhandenen Krankentagegeldversicherungen

Sollten Sie als Selbstständiger eine private KTG-Versicherung abgeschlossen haben, so beachten Sie bitte den Absatz der „Obliegenheiten“ die besagt, dass der Neuabschluss einer weiteren Versicherung mit Anspruch auf Krankentagegeld oder die Erhöhung einer anderen Versicherung, nur mit Einverständnis des Versicherer vorgenommen werden kann.

Zudem begrenzt eine private KTG-Versicherung auch den „Umfang der Leistungspflicht“, sprich die Höhe der Krankentagegeld Zahlungen (zusammen mit sonstigen Krankentage- und Krankengeldern.

Leider gibt es noch keine entsprechende Rechtsprechung zu dem Sachverhalt ob AU-Leistungen aus einer BU-Versicherung als sonstige Krankentage- oder Krankengelder gelten.

Beachte: Vor Abschluss einer neuen Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel ist es immer empfehlenswert die private Krankentagegeld-Versicherung zu informieren. Zusätzlich sollte immer im Vorfeld geklärt sein, ob die KTG-Versicherung Leistungen aus der AU-Klausel als „sonstige Krankentage- oder Krankengeld“ betrachtet und bei möglichen Begrenzungen der Zahlung anrechnet.

Fazit:

Grundsätzlich ist eine professionelle Beratung hier immer von Vorteil. Die verbraucherfreundliche Umorganisationsklausel ein entscheidender und wichtiger Punkt für Selbstständige. Dennoch ist anderen Punkten dieser Thematik genau soviel Beachtung zu schenken. Eine Beratung durch Ihren Versicherungsmakler München empfehlenswert.

Wie finden Sie die richtige Absicherung gegen die Berufsunfähigkeit?

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Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

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