Sieben Vorurteile zur privaten Krankenversicherung die ich entkräfte.

Viele Menschen haben oftmals eine vorgefertigte Meinung, die sie über Medien oder Dritte aufgeschnappt haben, besonders wenn es um private Krankenversicherung PKV geht. So lautet eine oftmals existierende Meinung, dass privat Versicherte mehr Annehmlichkeit genießen können, besser von den Ärzten behandelt werden, dass eine private Versicherung jedoch auch mehr kostet und mit zunehmendem Alter eine Geldfalle bildet und als Rentner nicht bezahlbar ist. Ich habe mich mit einigen dieser Vorurteile auseinandergesetzt und bin dem nachgegangen.

Es mag sein, dass in vergangener Zeit private Krankenversicherungen einem Konstrukt nachgegangen sind, welches zur heutigen Zeit ziemlich veraltet ist. Vorurteile, dass wenn man einmal einer privaten Krankenkasse beigetreten ist, nicht mehr herauskommt oder das private Krankenversicherungen nicht für Familien geeignet sind, scheinen die typischen Meinungsbilder der Gesellschaft zu sein, die veraltet sind.

Vorurteile PKV

Meinung Nr. 1: „Mit dem Alter wachsen die Beiträge zur privaten Krankenversicherung und werden im Alter unbezahlbar.“

Dieses Vorurteil stimmt so nicht ganz. Eine private Krankenversicherung wird nicht zwingend teurer, nur weil man älter wird. Grundsätzlich sind die Beiträge zu einer privaten Krankenversicherung so kalkuliert, dass sie zu Lebzeiten stabil bleiben. Sie werden aufgrund einer Lebenserwartung kalkuliert, sodass sie in jungen Jahren oftmals höher sein können. Dadurch wird ein Ausgleich geschaffen, damit im Alter die höheren Kosten genau aus dieser Altersrückstellung beglichen werden können.

Vorurteile zur privaten Krankenversicherung

Die meisten PKV Versicherten machen aber einen Fehler, dass Sie die Ersparnis in jungen Jahren nicht wegsparen und lieber ausgeben. Wenn Sie heute als 30 Jähriger eine angenommene Ersparnis von 100 € pro Monat durch den Wechsel in die PKV haben und legen dieses Ersparnis an z.B. in einen ETF Sparplan. Damit erzielen Sie dann eine angenommene Rendite von 6% p.a. über 35 Jahre (nur als Beispiel, keine Prognose für die Zukunft, Link zum Factsheet ETF MSCI World), haben Sie zum 65. Lebensjahr eine Summe von ca. 123.000 € angespart (Musterberechnung als PDF zum Download). Ich glaube, dass das Problem dann geringer ist, die Beiträge nicht mehr bezahlen zu können, oder?

Dazu kommt auch noch, dass Sie einen Anspruch auf einen Zuschuss i.H.v. 7,3% haben, in Bezug auf Ihre gesetzliche Rente. Nachlesen können Sie das auf der Seite der gesetzlichen Rentenversicherung: Als Rentner PKV versichert.

Broschüre zum Download als PDF, ob Ihre PKV im Alter bezahlbar bleibt.

Meinung Nr. 2: „Beiträge zur privaten Krankenversicherung steigen durch medizinische Inflation.“

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des Fortschritts innerhalb der Forschung und der Medizin kommt es zu einer sogenannten medizinischen Inflationsrate, welche in den vergangenen Jahren bei ca. 3,5% p.a. lag. Diese Inflationsrate ist gut für die Menschheit, führt jedoch zu steigenden Preisen innerhalb der privaten wie auch gesetzlichen Krankenversicherungen.

Am Beispiel der gesetzlichen Krankenversicherungen ist dies sehr deutlich sichtbar. Denn innerhalb von 40 Jahren, sind die gesetzlichen Krankenversicherungen um 5,95 Prozent teurer geworden, jedoch erbringen sie nicht zwingend mehr Leistung. Bei der GKV (=gesetzlichen Krankenversicherung) können sogar Leistungen gestrichen werden, damit die Beiträge nicht erhöht werden müssen, was in der PKV (privaten Krankenversicherung) nicht möglich ist.

Vorteile PKV

Im Vergleich liegen private Krankenversicherungen unter dieser Rate und erbringen bessere Leistungen. Folglich steigen die Beiträge für private Krankenversicherungen, jedoch nicht in dem Ausmaß wie bei gesetzlichen Versicherungen.

Vergleichstabelle. GKV steigt um Faktor 3,8 während die Beiträge der PKV fast stagniert.
Fazit: Die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung steigen mehr als die der privaten.

Meinung Nr. 3: „Keine Möglichkeit der Beitragsentlastung“

Die Meinung, dass es keine Möglichkeit der Beitragsentlassung gäbe, stimmt so nicht. Denn es besteht die Möglichkeit für das Alter schon im Vorfeld Entlastung zu schaffen. Über einen Beitragsentlastungstarif wird ein freiwilliger Prämienaufschlag geleistet, der im Alter festlegt um welchen festgelegten Betrag sich die Zahlung reduziert. Dazu hat die Signal Iduna eine gute Broschüre als PDF:

Auch besteht immer die Möglichkeit innerhalb der Tarife einer Krankenversicherung zu wechseln nach §204 VVG und sich so finanzielle Erleichterung zu schaffen, jedoch unter der häufigen Prämisse „weniger Leistung“.

Meinung Nr. 4: „Familien sollten nicht privat versichert sein.“

Dieser Meinung muss ich grundsätzlich widersprechen. Private Krankenversicherungen eignen sich für Familien genauso wie gesetzliche. Zwar wird man hier nicht komplett Familienversichert, sondern die Eltern zahlen separate Beiträge für die Kinder, doch der große Vorteil ist, dass auch die Kinder eine dementsprechende Leistung bekommen. Doch der Trend geht immer deutlicher dahin, dass es immer mehr Familienbausteine/ Leistungsbausteine innerhalb einer PKV gibt. So spielt die Elternzeit eine große Rolle, in der es zum Beispiel eine Beitragsfreiheit (z.B. bei der Barmenia Krankenversicherung) oder sogar Rückerstattung geben kann.

Meinung Nr. 5: „Es gibt keine Unterschiede innerhalb des Leistungsniveaus zwischen der privaten und der gesetzlichen Versicherung.“

Hier muss ich Einspruch erheben. Diese Meinung kann man so pauschal nicht unterstützen. Innerhalb der privaten Krankenversicherung gibt es sehr große Unterschiede in den unterschiedlichsten Leistungspaketen, die sich von kostengünstigen bis Top-Tarifen erstrecken können. Von Vorteil ist, dass diese Tarife auch mit den entsprechenden Leistungen zusammenhängen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Leistungen oftmals zweckmäßig. Im Umkehrschluss können gesetzliche Versicherte immer private Zusatzleistungen buchen, was jedoch bedeutet, dass gesetzliche Krankenkassen dort nicht immer leisten, wo private Leistungen grundsätzlich inkludiert sind.

Meistens ist es aber schon der Fall, bzw. bei über 90% der Tarife auf dem Markt, dass im Vergleich die Leistungen der PKV deutlich höher sind als die Leistungen der GKV. Darstellen kann ich Ihnen das anhand von einem detaillierten Vergleich, falls Sie das wünschen. Hier können Sie Kontakt mit mir aufnehmen.

Meinung Nr. 6: „Nur in jungen Jahren lohnt es sich in eine private Krankenversicherung zu wechseln.“

Dies ist eine pauschale Aussage, der ich so nicht folgen kann. Gerade bei privaten Krankenversicherungen ist es wichtig zu planen, wie man den Ruhestand verbringen will. Die Betrachtung nur des jetzigen Beitrags ist nicht von Vorteil. Der Spargedanke ist gut, dennoch nicht immer bei der privaten Krankenversicherung. Denn natürlich ist es so, dass je früher man anfängt, die Einlage höher ist, sodass der Ausgleich im Alter stattfindet. Ferner wird der Beitrag nach dem Einstiegsalter kalkuliert, daher ist es in jungen Jahren günstiger als in älteren Jahren, weil da auch das Risiko einer Erkrankung höher ist.

Meinung Nr. 7: „Einmal im System der privaten Krankenkassen drin, gibt es kein Zurück mehr.“

Nichts ist in Stein gemeißelt und alles ermöglicht einem immer einen Spielraum, auch wenn es um einen Wechsel innerhalb der Krankenkassen geht. Natürlich ist ein sprunghafter Wechsel zwischen den Krankenkassen nicht gewollt, diesem hat der Gesetzesgeber auch zulasten Dritter vorgebeugt. Vermieden soll damit werden, dass jüngere Personen, die kostengünstigen Beiträge der privaten Krankenkassen ausnutzen um im Alter dann in eine gesetzliche KV wechseln. Um diesem vorzubeugen, ist es Personen ab dem Alter von 55 Jahren fast wirklich unmöglich wieder zurück in eine gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Dies gilt jedoch nicht für Personen die mit ihrem Gehalt unter der gesetzlichen unter der Versicherungspflichtgrenze stehen. Hier können die Versicherten als Ausnahme wählen.

Aber mal ganz im Ernst: In jungen Jahren, wo die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist krank zu werden, habe ich seine sehr gute Versorgung über die PKV und dann als Rentner bzw. im hohen Alter, wo die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist krank zu werden, möchte ich wieder zurück in die GKV und weniger Leistungen haben? Dem kann ich nicht folgen!

In diesem Video von der Hallesche Krankenversicherung wird Ihnen die PKV erklärt:

Download PKV Handbuch

Hier können Sie sich ein PKV Handbuch als PDF downloaden, einfach klicken!

Mein Fazit:

Es zeigt sich, dass viele der gängigen Meinungen entkräftet werden können bzw. von vielen Menschen falsch interpretiert werden. Zeigt man logisch und verständlich auf, anhand genauer Fakten, Berechnungen und der Einbeziehung der eigenen Lebenssituation welche Vor- und Nachteile die Mitgliedschaft innerhalb einer privaten Krankenversicherung birgt, so ist die Entscheidungsfindung für den Interessenten nicht mehr so schwer. Ganz im Gegenteil, die Vorteile und Begeisterung überwiegen. Eine genaue Aufklärung ist jedoch entscheidend. So ist auch innerhalb der Informationsweitergabe enorm wichtig zu kommunizieren, dass innerhalb privater Krankenversicherungen PKV vereinbarte Leistungen nicht von politischen Reformen gekürzt oder gestrichen werden können. 

Dennoch kann immer alles optimiert werden und so ist mehr Planbarkeit und ein kontinuierlich steigender Beitrag anstatt eines sprunghaften Anstiegs mein Wunsch für eine Reform. Auch sollte die Finanzierung für Kinder nochmals durchdacht werden und Möglichkeiten der Quersubventionierung in Betracht gezogen werden. Auch könnte mehr Flexibilität in der Hinsicht bestehen, dass bei einem Wechsel der privaten Krankenversicherungen Rückstellungen dem Versicherten mitgegeben werden. Somit hätten Versicherungen nicht mehr den Luxus sich auf der Sicherheit auszuruhen, dass jemand im Alter die Versicherung nicht wechselt, da er die Verluste nicht hinnehmen will.

Dennoch birgt eine private Krankenversicherung viele Vorteile, die individuell für viele eine optimale Versicherung darstellt und ungeachtet vieler falscher Meinungen in der Gesellschaft eine sinnvolle Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung ist. Darüber hinaus können Sie diese auch noch steuerlich optimieren:

Vorurteile PKV

Am Ende muss ich eines sagen, solange man gesund ist, merkt man nichts von den Vorzügen und Vorteilen der privaten Krankenversicherung – ausser evtl. bei einer Beitragsersparnis. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich aber bestätigen, wenn man mal krank ist und dann die Möglichkeit hat, sofort einen Arzttermin zu bekommen oder die bestmöglichste Versorgung zu erhalten, geniesst man das doch wirklich sehr und weiss die PKV zu schätzen!

PS: Wussten Sie eigentlich, dass Sie als freiwilliges Mitglied in der GKV auch Krankenversicherungsbeiträge auf die Mieteinkünfte bezahlen müssen oder auf das Betriebsvermögen?

Vorurteile zur PKV

Als PKV Versicherter passiert Ihnen das nicht. Daher ist die Entscheidung ob GKV oder PKV versichert immer eine ganz individuelle Entscheidung und das muss jeder für sich selbst entscheiden!

Musterberechnungen der Krankenversicherungsbeiträge als Rentner zum Download

Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

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